bridge Ideenwettbewerb 2003

Die Förderrunde 2003 wurde anlässlich der Stiftungsgründung als Ideenwettbewerb "bridge ideas" organisiert. Dafür wurde eigens eine temporäre Website eingerichtet. Die Bekanntmachung, die Jury und die Entscheidung können Sie hier nun dauerhaft nachlesen.

 

Ideenwettbewerb "bridge ideas"

Das Problem
In seiner bislang kurzen Geschichte galt das Internet als ein Ort dezentraler, anarchischer und kaum zu kontrollierender, also: „freier“ Kommunikation. Tatsächlich aber sind die vielen Informationsfreiheiten der Bürgerinnen und Bürger im Internet durch eine Reihe von technischen Entwicklungen und anstehenden, bzw. erfolgten politischen Maßnahmen massiv bedroht.

Außerhalb von Fachkreisen wissen darüber nur wenige Bescheid. Und noch weniger versuchen, dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen.
Dem Widerstand, zumal wenn er über vereinzelte Aktionen hinausreichen soll, muss jedoch die Verbreitung eines Sach- und Problemwissens vorangehen. Deshalb lobt die neu gegründete Stiftung bridge einen Ideenwettbewerb aus, an dem sich Einzelpersonen, Initiativen und andere zivilgesellschaftliche Vereinigungen beteiligen können.

Die Aufgabe
Gesucht werden Personen und Gruppen, die zeitlich und sachlich begrenzte Aufklärungskampagnen über die drohende Einschränkung von Bürgerrechten im digitalen Raum planen und praktisch durchführen wollen. Dabei bleibt es den Bewerbern überlassen, welche Probleme sie innerhalb des Themenkomplexes digitaler Rechte in den Vordergrund stellen, welche Zielgruppen sie ansprechen wollen, in welchen Formen und mittels welcher Kanäle dies geschehen soll. Das Kampagnenkonzept soll die einzelnen Ziele, die erforderlichen Mittel und konkreten Schritte (inkl. Zeitplan) der Kampagne enthalten. Erwartet wird auch ein realistischer Finanzierungsplan. Co-Finanzierungen sind grundsätzlich möglich. Das Konzept kann schriftlich und zusätzlich elektronisch (optimalerweise in einem offenen Format) eingereicht werden. Dabei ist ein Umfang von höchstens 3 Seiten einzuhalten. Es muss das Bewerbungsformular beigelegt werden.

Der Preis
Das von der Jury ausgezeichnete „beste“ Kampagnenkonzept wird mit einem Geldpreis von maximal 15.000,- Euro ausgezeichnet. Diese Summe ist ausschließlich für die Vorbereitung und Durchführung der prämierten Kampagne/n bestimmt, wobei damit Sachkosten und/oder Personalkosten abgedeckt werden können.

Der Auswahlprozess
Die eingereichten Vorschläge werden von einer Jury bewertet. Diese umfasst Experten im Bereich der Internetkommunikation, der Freien Software, der Öffentlichkeitsarbeit und der Bewegungsstiftung.

Termin
Kampagnenkonzepte sind bis zum 1. Oktober 2003 einzureichen.
Das Urteil der Jury wird am 1. November 2003 öffentlich bekannt gegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Jury

Die Jury des bridge Ideenwettbewerbs 2003 (Funktionen, Weblinks etc. werden nicht dauerhaft weitergepflegt)

Bild von Jeanette Hofmann

Jeanette Hofmann, ist promovierte Politikwissenschaftlerin, sie forscht über das Internet und lebt in Berlin.

Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Regulierung des Internet. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit Fragen des Geistigen Eigentums in der Wissensgesellschaft. Sie ist Gründungsmitglied von privatkopie.net, einer Initiative zur Rettung der Kopierfreiheit in digitalen Umgebungen.

http://duplox.wz-berlin.de/people/jeanette

 

 

Bild von Georg Greve

Georg C. F. Greve, Hamburg, Diplom Physiker.

Er ist Initiator und Präsident der Free Software Foundation Europe und veröffentlicht in mehreren Magazinen die monatliche Kolumne Brave GNU World. Er hält weltweit Vorträge zu allen Fragen der Freien Software.


http://brave-gnu-world.org

gnuhh.org

 

 

Bild von Wolfgang Straehle

Wolfgang Staehle, New York

Der deutsche, in New York lebende, Künstler und Theoretiker Wolfgang Staehle war einer der Pioniere, die das Internet als Werkzeug einer kritischen Gegenkultur nutzten. Er ist Begründer und Executive Director des Online-Kunstprojekts THE THING, welches u.a. dem Projekt TOYWAR von etoy als Plattform diente. Er arbeitet zu neuen Entwicklungen der Online-Praxis und über die Geschichte von net.art.

http://www.thing.net

 

 

Ute Bernhardt, M.A., Bonn

Ute Bernhardt war jahrelang Geschäftsführerin des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftlicheVerantwortung e.V.(FIfF) und zugleich dessen stellvertretende Vorsitzende. Besondere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Grundrechte in der Informationsgesellschaft, Datenschutz sowie Informatik und Militär. Sie ist Referentin bei der Fraunhofer Gesellschaft und Lehrbeauftragte für Informatik an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

http://www.fiff.de

 

Bild von Prof. Dr. Roland Roth

Professor Dr. Roland Roth, Berlin

Er absolvierte 1973 den M. A. in Politikwissenschaft, promovierte 1984 an der JWG-Universität Frankfurt/M. und schloss 1992 seine Habilitation am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin ab. Seit 1993 ist er Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Zwischenzeitlich hatte er Lehrtätigkeiten als Gastforscher und Gastprofessor an der University of California Santa Cruz und der Universität Wien inne und war Mitglied der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zum bürgerschaftlichen Engagement. Roth ist Mitglied von ver.di, diverser wissenschaftlicher Berufsverbände (DVPW, ISA etc.) und Co-Sprecher des "Komitees für Grundrechte und Demokratie". Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

 

Bild von Christiane Schulzki-Haddouti

Christiane Schulzki-Haddouti, Bonn

Christiane Schulzki-Haddouti ist Diplom-Kulturpädagogin und freie Journalistin. Sie schreibt für die c't sowie zahlreiche überregionale Tages- und Wochenzeitungen über Themen an der Schnittstelle zwischen IT und Gesellschaft wie Datenschutz und Überwachungstechnologien, Informationsfreiheit und Suchmaschinen. Sie hat mehrere Fachbücher veröffentlicht, unter anderem "Datenjagd im Internet. Eine Anleitung zur Selbstverteidigung" (2001) und "Bürgerrechte im Netz" (2003). Seit 2002 ist sie Dozentin am Institut für Journalistik der Universität Dortmund und Jury-Mitglied der "Initiative Nachrichtenaufklärung".

 

 

Bild von Prof. Dr. Hansjürgen Garstka

Prof. Dr. Hansjürgen Garstka, Berlin

Hansjürgen Garstka, Jahrgang 1947, ist Jurist und Politikwissenschaftler und seit 1979 Mitarbeiter beim Berliner Datenschutzbeauftragten. Seit 1989 ist er selbst der Berliner Datenschutzbeauftragte. Er arbeitet u.a. als Vorstandsvorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz, Berlin und Vorsitzender der internationalen Arbeitsgruppe "Datenschutz in der Telekommunikation".


http://www.datenschutz-berlin.de

 

 

Bild von Felix Kolb

Felix Kolb, Politikwissenschaftler, Verden/Aller


Er war Mitinitiator der Kampagne "X-tausendmal quer" gegen die Castor-Transporte und im Rahmen des VERbunt-Projektes am Aufbau der Verdener Umweltwerkstatt und der Wohnungsgenossenschaft AllerWohnen beteiligt. Nach der Beendigung seines Studiums an den Universitäten Bremen und Cornell/USA war er von 2000 bis Mitte 2002 Pressesprecher von Attac Deutschland. Er ist einer der Initiatoren der Bewegungsstiftung und promoviert an der FU Berlin über die politischen Auswirkungen sozialer Bewegungen.

www.bewegungsstiftung.de

 

 

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Entscheidung

Entscheidungsbegründung zum Ideenwettbewerb "bridge-ideas" 2003

Gegenstand der Auswahlentscheidung waren die Projektideen zu der Aufgabe, eine zeitlich und sachlich begrenzte Kampagne über die drohende Einschränkung von Bürgerrechten in der digitalen Gesellschaft zu planen und praktisch durchzuführen.


Die Jury entschied im Konsens, der vom FoeBuD vorgeschlagenen Kampagne „Privacy Gadgets gegen Datenkraken“ den ausgelobten Preis zuzuerkennen.


Die Projektidee besteht darin, ein „hübsches kleines elektronisches Spielzeug, ein Gadget, zur Verteidigung der Privatsphäre zu entwickeln und zu bauen“, mit dem Bürger/innen auf die Möglichkeiten der Überwachung, der Verletzung der Privatsphäre und die Einschränkung ihrer informationellen Selbstbestimmung aufmerksam gemacht werden sollen. Die Kampagne „soll dem Gefühl „Da kann man ja eh nichts machen“ etwas entgegensetzen, viele zum Mitmachen anregen und einen Lerneffekt für die Öffentlichkeit haben – also ein Thema vermitteln“.


Die Kampagne befasst sich mit der Einführung von Etiketten („Tags“), die auf der RFIDTechnik (Radio Frequency Identification) beruhen, an Gegenständen beliebiger Art angebracht werden können und aus denen mit geeigneten Lesegeräten aus der Entfernung abgespeicherte Daten ausgelesen werden können.

Die Jury schlägt vor, die Entwicklung von Gadgets zu fördern, die deren Nutzerinnen und Nutzer in die Lage versetzen, zu erkennen, ob Gegenstände in ihrer Umgebung ein RFIDTag enthalten und/oder ob sich in der Nähe Lesegeräte für derartige Tags befinden.


Begründung:

Die RFID-Technologie, die auf der bisher insbesondere in der Flugsicherung verwendeten Transponder-Technik beruht, stellt ein universell einsetzbares Instrumentarium zum Erkennen von Gegenständen sowie deren Eigenschaften dar. Die Unabhängigkeit von eigener Energieversorgung, der kontaktlose Zugang zu den Daten, die Flexibilität des Datenträgers (bis hin zur textilen Verarbeitung) sowie die geringen Kosten lassen ein breites Einsatzspektrum erwarten. Erste Einsatzgebiete zeichnen sich im Handel und den damit verbundenen Logistikketten ab. Eine Vielzahl anderer Anwendungen im betrieblichen und auch privaten Bereich zeichnet sich ab.

Den unbestrittenen Vorteilen der Technologie steht das beachtliche Überwachungspotential gegenüber, das sie eröffnet. Gegenstände, die RFID-Tags enthalten, können mit geeigneter Technik überall identifiziert werden. In Verbindung mit personenbezogenen Informationssystemen, geografischen Ortungssystemen oder Mobilfunk könnten sie die Basis bilden für die Erstellung von Verhaltensprofilen für die verschiedensten akzeptablen und nicht akzeptablen Zwecke.


Besonders problematisch ist der Umstand, dass in der Regel nicht erkannt werden kann, ob ein Gegenstand einen RFID-Tag enthält und ob bzw. wo dieser Tag ausgelesen wird. Die sich aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung ergebende Forderung, dass eine Datenerhebung hinter dem Rücken der Betroffenen grundsätzlich nicht zulässig ist, kann damit leicht umgangen werden.


Die Internationale Konferenz der Datenschutzbeauftragten befasste sich in ihrer letzten Sitzung im September 2003 in Sydney mit diesem Problem. Ein von der deutschen Delegation eingebrachter Resolutionsentwurf fordert, dass personenbezogene Daten aus RFID-Tags nur in einer offenen und transparenten Weise erhoben werden dürfen, um einen ungerechtfertigten Eingriff in die Privatsphäre zu verhindern. Das Auto-ID Center des Massachusetts Institute for Technology (MIT), Cambridge, USA fordert im Entwurf einer “Usage Policy” als erstes „The right to know whether a product contains an EPC (Electronic Product Code) tag, and whether a public place is using RFID readers“ (Quelle: Gutachten von Kevin Ashton, Direktor des Auto-ID Center, für den Unterausschuss Neue Technologien des Senats des Bundesstaates Kalifornien vom 18. August 2003).


Ein Gerät zu entwickeln und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, welches das Vorhandensein von RFID-Tags und/oder entsprechender Lesegeräte anzeigt, oder deutlich wahrnehmbar meldet, unterstützt die internationalen Forderungen nach Transparenz und Akzeptanz der neuen Technologie. Nicht nur Nutzerinnen und Nutzer des Geräts, sondern auch in der Nähe – zum Beispiel entsprechender Kassensysteme – Stehende könnten sensibilisiert werden. Der Druck auf die diese Technik einsetzenden Unternehmen, ihre Verfahren transparent zu machen, würde deutlich erhöht. Im Gegensatz zu früheren technischen Entwicklungen, bei denen Risiken für die informationelle Selbstbestimmung erst zu spät erkannt und Bürgerinnen und Bürger vermittelt wurden, eröffnet der Kampagnenvorschlag einen Weg, bereits vor der weitgestreuten Einführung einer invasiven Technik ein breites kritisches Interesse zu erwecken. Das zu entwickelnde Produkt sollte nach Projektabschluss in einer Art und Weise dargestellt werden, die den Weg in den Einsatz dieser Technologie nicht verschließt, aber von vorneherein die Notwendigkeit der Einbeziehung aller Betroffenen in den Vordergrund stellt.


Weitere Informationen:

http://www.foebud.org

http://www.stoprfid.com

http://www.epcglobalinc.org (vormals www.autoidcenter.org)

http://www.datenschutz-berlin.de/doc/int/konf/index.htm

 

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Preisträger

Der Foebud e.V. ist in jüngerer Vergangenheit vor allem durch die Organisation der Big Brother Awards in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Was viele nicht wissen ist, dass der Foebud e.V. schon seit den 1980er Jahren existiert. Aus der Selbstdarstellung des Foebud e.V.:

"Es begann in einer Galerie: Bei Art d'Ameublement in Bielefeld wurde 1985 zum ersten Mal ein Computerclub als Kunstwerk ausgestellt. Von dort bis zur Veranstaltungsreihe PUBLIC DOMAIN war es nur noch ein kleiner Schritt -- die KünstlerInnen Rena Tangens und padeluun konzipierten diese monatliche Veranstaltung, um aufzuzeigen, wieviel kreatives Potential im Bereich Technik, Wissenschaft, Kultur und Neue Medien steckt.
Die Veranstaltungen waren auf Anhieb ein großer Erfolg und entwickelten sich schnell zunächst zum Treffpunkt der Bielefelder und später dann der bundesweiten Szene. 1987 gründeten Menschen, die sich bei der PUBLIC DOMAIN zusammengefunden hatten, den FoeBuD e.V.
(...)
Dem FoeBuD geht es um die Förderung eines "schöpferisch- kritischen" Umgangs mit Wissenschaft und Technik: Ganzheitliches Herangehen an Probleme, kreative und unkonventionelle Lösungen suchen und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Der FoeBuD will zum einen Forschungs- und Entwicklungsprozesse aktiv mitgestalten und zum anderen wissenschaftliche Erkenntnisse aus Bereichen wie Biologie, Physik und Informatik ebenso wie Pädagogik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft für den Alltag einsetzen."


In dieser Tradition bewegt sich die Idee zum "Privacy Gadget gegen Datenkraken".

Mit der bevorstehenden Einführung von RFID Etiketten für alle Waren wird durch den Handel eine neue Technologie etabliert, deren Möglichkeiten, Auswirkungen und Gefahren in unserer Gesellschaft und unseren demokratischen Organen noch nicht diskutiert wurde. Da diese Technologie mit unseren Sinnen nicht wahrnehmbar ist, benötigen wir dringend Geräte mit denen wir feststellen können, ob unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung gerade verletzt wird.
Mit diesem Gadget, dem "Data Privatizer", und der dazugehörigen RFID Kampagne des Foebud e.V. kann eine breitere öffentliche Diskussion um Nutzen und Gefahren der neuen Technik angestossen werden.

Genaueres erfahren Sie auf der Website unseres Preisträgers, dem Foebud e.V.

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